Neben den hier schon veröffentlichten zeitgenössischen Bilderserien aus den Befreiungskriegen wie beispielsweise die Landecker Serie, stellt die Elberfelder Bilderhandschrift eine für die uniformkundliche Recherche zu den Truppen der Jahre 1813-1815 äußerst wertvolle Quelle dar. Denn auf kleinen, etwa 10 x 6,5 cm großen Blättern, die in Vierergruppen auf Karton aufgeklebt wurden, werden zahlreiche Soldaten und Offiziere mit Angabe des Zeitpunktes in naiver Darstellung präsentiert. 

 

Trotz dieser naiven Darstellung bewies der unbekannte Künstler einen Blick für die Uniformierung, Ausrüstung und Bewaffnung der Einheiten, die laut Titelblatt "vom 9. November 1813 bis zum 14. April 1819 durch Elberfeld" marschierten. Aufgrund der besonderen Bedeutung dieser Quelle wurde sie schon mehrfach beschrieben und veröffentlicht, so erstmals von Richard Knötel in seinen Mittheilungen zur Geschichte der militärischen Tracht im Jahre 1900, später von Dr. Friedrich Herrmann in der Zeitschrift für Heereskunde und schließlich am Umfänglichsten von Peter Schuchhardt in seinem umfangreichen Werk, dem noch Tafeln von Schulten und ein Tagebuch aus Elberfeld beigestellt sind. Eine weitere Bearbeitung auf Basis der Knötel'schen Beschreibung lieferte Klaus Tohsche in der Depesche Nr. 27, die auf Napoleon Online verfügbar ist.

 

In der Bilderhandschrift werden vornehmlich Mannschaftstypen präsentiert, diese aber häufig in Abweichungen zur reglementgemäßen Uniformierung. Damit stellt die Serie auch eine wichtige Quelle zur Bewertung des "tatsächlichen" Aussehens der Soldaten während der Befreiungskriege dar. Da die Bilderhandschrift mit der Datierung im November 1813 beginnt, sind die gezeigten französischen Typen mehrheitlich Gefangene.

 

Auf insgesamt 59 Seiten befinden bis auf dem ersten Blatt vier Einzeltypen, die hier im Uniformenportal vollständig veröffentlicht werden. Dabei soll auf die Vorarbeiten von Knötel, Herrmann und Schuchhardt zurückgegriffen und die Einheiten daher nicht mit dem ursprünglichen Titel, sondern mit der richtigen bzw. wahrscheinlichen Bezeichnung präsentiert werden. Allerdings wird aus der Bildunterschrift das Datum der Beobachtung durch den Zeichner mit aufgenommen. Zudem finden sich im Beschreibungstext die Nummerierung der Tafeln aus den Bearbeitungen der o.a. Autoren - diese richtet sich an der Anordnung auf den Blättern, d.h. mit "..a" ist das Bild oben links und "..d" das Bild unten rechts auf einer Tafel bezeichnet.

 

Ich danke der Kunstbibliothek Berlin, in deren Bestand der Lipperheid'schen Kostümbibliothek dieses bedeutende Werk der Uniformgeschichte befindet, für die Genehmigung zur Präsentation.